Eigentlich wäre ich ja jetzt auf einer Motorradtour im Urlaub, aber es gab da einen kleinen Zwischenfall und einen langwierigen Prozess, den ich hier kurz erklären möchte. Die letzten zwei Wochen waren alles andere als geplant.
Der Unfall
Wie jeden Abend verließ ich am Donnerstag, den 4. Juni, gegen 17:15 Uhr das Büro und begab mich mit dem Fahrrad auf den Heimweg. Vom Leipziger Platz kommend Richtung Osten, bevor ich die Baustelle in der Leipziger Straße an der Mall of Berlin erreichte, hatte es etwas geregnet und auf dem Radstreifen standen zwei Personen, sodass ich etwas länger links bleiben musste. Als ich wieder nach rechts auf den Radstreifen rüberfahren wollte, rutschte jedoch mein Hinterrad weg, und so wie es aussah, lag das an den Bitumenflecken, die auf alten Fahrbahnmarkierungen vorhanden waren. Ich dachte zuerst, es läge an den dortigen Straßenbahnschienen.
Ja, das Hinterrad rutschte einfach weg und ich stürzte auf die rechte Seite. Ich stand auch sofort wieder auf und nahm das Fahrrad. Die Personen, die zuvor auf dem Radstreifen standen, liefen auf mich zu und meinten direkt zu mir: Ich wäre schon der Dritte, der hier gestürzt sei. Mir tat meine rechte Schulter sehr weh und ich dachte erst, der Arm sei ausgekugelt. Zusammen mit einer anderen leicht verletzten Person setzten wir uns an den Straßenrand und die dritte Person rief dann den Rettungswagen.
Mein Garmin Edge hatte den Unfall direkt erkannt und Vio rief mich direkt an. Ich schilderte kurz, was passiert war, und dass ich mich später noch mal melden würde.
Fünf Minuten später war dieser auch da und kurz darauf kam auch direkt die Polizei. Ich bekam ein Dreieckstuch und wurde in den Rettungswagen gelegt. Die Polizei befragte mich kurz zum Hergang, und da ich allein gestürzt war, bekam ich nur die Vorgangsnummer. Nach kurzer Diskussion, wie wir mit dem Fahrrad verfahren konnten, konnten wir es glücklicherweise im Rettungswagen mitnehmen. Und es ging direkt ins Elisabeth-Krankenhaus, nur wenige hundert Meter entfernt. Das Fahrrad wurde vor der Notaufnahme angeschlossen. In der Notaufnahme setzte ich mich in den Warteraum und rief noch mal Vio an, um ihr zu sagen, wo sie das Fahrrad abholen konnte. Zusammen mit meinem Bruder war sie nach einer Stunde da, während ich weiterhin auf meine Behandlung wartete. Und die Warterei war gefühlt ewig.
Währenddessen packte mein Bruder das Fahrrad in sein Auto. Endlich kam ich an die Reihe bei der Untersuchung. Es wurden die Vitalwerte aufgenommen, Fragen zum Unfallhergang gestellt, und dann ging es direkt zum Röntgen, und das Ergebnis war klar: Die Schulter war gebrochen.

Da es sich um einen Wegeunfall handelte, meinte das Krankenhaus, dass sie das selbst nicht operieren dürften, und gaben mir drei Optionen:
- das UKB
- das Krankenhaus Friedrichshain
- ich glaube, das dritte war irgendwie Wedding oder so
Ich entschied mich für das UKB, da das nicht so weit von meinem Zuhause entfernt ist. Es wurde der Transport bestellt, und gegen 2:00 Uhr gab es dann die Verlegung mit Sonderrechten ins UKB. Dort in der Notaufnahme wurde ich erneut geröntgt und zusätzlich noch ein CT gemacht, da die Röntgenbilder keinen genauen Aufschluss gaben.
Das Ergebnis war eine Humeruskopffraktur mit Abriss Tuberculum majus und minus. Das war eine durchaus komplizierte Fraktur. Die Bruchstücke hatten sich über die Knochen geschoben, was zu deutlichen Schmerzen in meiner Schulter führte. Ich übernachtete in der Notaufnahme. Oder naja, schlafen konnte man es nicht nennen. Es war einfach die ganze Zeit nur laut, und im Prinzip konnte ich auch aufgrund der Schmerzen einfach nicht wirklich schlafen. Selbst mit Schmerzmitteln war es eher unerträglich.
Freitag, 5. Juni
Gegen 9:00 Uhr wurde ich von der Notaufnahme auf die Station verlegt, da ich mich dafür entschieden hatte, einige Nächte im Krankenhaus zu bleiben. Im 2-Bett-Zimmer war der andere Patient nach einem Motorradunfall da. Bei ihm waren die rechte Schulter und das Schlüsselbein verletzt.

Beim Frühstück gab es die ersten Verwirrungen bezüglich meiner Präferenzen. Da ich nicht bei der Aufnahme gefragt wurde, war es nicht so einfach, spontan hier gesunde vegane Kost zu erhalten. Für die weiteren Mahlzeiten wurde dies jedoch im System hinterlegt. Am Nachmittag kam Vio mich besuchen.
Samstag, 6. Juni
Gegen Mittag kam mich mein Kollege Somesh besuchen, der mir Dosas mitbrachte. Das passte ja eigentlich ganz gut, denn zum Mittag gab es im Krankenhaus ein curry-artiges Gemüseragout.
Sonntag, 7. Juni
Die Nacht zum Sonntag hatte ich wieder schlecht geschlafen. Ständig wach durch die unbequeme Liegeposition. Kurz nach dem Frühstück, gegen 8:30 Uhr, kam auch schon die Visite. Diese kündigte mir an, dass ich am Montag zur OP-Vorbereitungsbesprechung gehen solle und dann erst einmal entlassen würde, um dann zum Donnerstag zur OP wiederzukommen.
Montag, 8. Juni
Nach dem Frühstück gab es erst mal noch mal Ultraschall vom Bauchraum, danach die Physio-Beratung zur OP-Vorbereitung, und dann hatte ich drei Stunden auf das Gespräch zur Chirurgie und Anästhesie gewartet.
Damit war das Mittagessen schon kalt, während Vio auf mich wartete, und gegen 16:00 Uhr konnte ich endlich das Krankenhaus wieder verlassen.
Am Dienstag, den 9. Juni, ging ich zum D-Arzt für die Krankschreibung. Ansonsten war an dem Tag nichts weiter passiert.
Der erste OP-Versuch
Am Mittwoch rief ich abends auf der Station an, um abzuklären, wann ich am Donnerstag früh da sein sollte für die OP. Das war gar nicht so einfach rauszufinden, da ich nicht die richtige Telefonnummer bekommen hatte. Zuerst hatte ich auf der Station angerufen, auf der ich lag, dort wusste man nicht Bescheid. Dann hatte ich über die Zentrale die falsche Station angerufen, bis ich am Ende dann an der richtigen Station gelandet war, wo mir nur gesagt wurde, ich solle in einer Stunde noch mal anrufen. Gesagt, getan. Mir wurde mitgeteilt, dass ich um 8:00 Uhr auf der Station sein sollte und die OP aktuell für 13:00 Uhr am Donnerstag angesetzt wäre.
Donnerstag, 11. Juni
Zunächst ging es zur Anmeldung, um mich wieder stationär aufnehmen zu lassen. Dann hatte ich ca. zweieinhalb Stunden gewartet, bis ich aufs Zimmer konnte. Der OP-Termin wurde von 13:00 auf 14:30 Uhr verschoben, dann noch mal auf 15:30 Uhr, und um 17:30 Uhr wurde die OP ganz abgesagt. Erst jetzt durfte ich wieder etwas essen, da ich ja vorher nüchtern sein musste.
Freitag, 12. Juni
Ich hatte schlecht geschlafen, hatte starke Schmerzen und erhielt am Morgen die Info, dass es wohl heute zur OP ginge. Bei der Visite entschuldigte sich der Chefarzt. Der Bruch sei sehr kompliziert, und man brauche jemanden mit entsprechender Erfahrung, und da es viele Notfälle gegeben hatte, wollte man mich auch nicht nachts operieren. Die Entscheidung hieß aber erst mal wieder nach Hause. Der nächste OP-Termin wäre am Montag.
Der zweite Versuch
Samstag, 13. Juni
Ich hatte leichten Muskelkater in Bizeps und Trizeps, vermutlich durch die Ruhehaltung und die abgerissenen Tubercula.
Am Sonntag, den 14. Juni, rief ich wieder gegen 18:00 Uhr im Krankenhaus an und erhielt den OP-Termin für 16:00 Uhr, sodass ich mich um 11:00 Uhr auf der Station melden sollte.
Am Montag, den 15. Juni, gab es natürlich kein Frühstück, aber auch keine Schmerzmittel. Aktuell waren die Schmerzen aushaltbar, kaum noch Schwellung am Oberarm, der Unterarm war aber weiterhin geschwollen. Um 11:00 Uhr war ich im Krankenhaus und konnte direkt ins Zimmer. Diesmal war es ein 4-Bett-Zimmer. Zwei Personen waren schon drin. Am Nachmittag kam noch die vierte Person aus dem OP. Und mein OP-Termin verschob sich auf 20:00 Uhr.
Um 21:00 Uhr sollte es dann endlich losgehen, und auf dem Weg zum OP-Saal rief der Oberarzt an und sagte, er komme nicht in den Saal, da er für einen Notfall gesperrt sei. Ich hörte auch schon den Hubschrauber wieder kommen. Also erneuter Abbruch und Verschiebung auf den nächsten Tag.
Die Nacht hatte ich wieder sehr schlecht geschlafen, einerseits wegen der Schmerzen, aber auch andererseits, weil einer im Zimmer eine Apnoe-Maske nutzte und die Maschine nicht gut gepflegt war, sodass das Ding höllenlaut war.
Am Dienstag, den 16. Juni, entschuldigte sich der Oberarzt mehrfach bei mir während der Visite. Am Vormittag kam mich meine Mutter besuchen. Gegen Mittag kam noch mal der Chirurg zur Aufklärung mit zwei Optionen. Die erste wäre ein ungewisser Termin gewesen, vielleicht am Abend oder in der Nacht nach all den Notfällen. Die zweite, die er mir empfahl: Wir versuchten es am Donnerstagmorgen um 9:00 Uhr, da ich dann bevorzugt da gewesen wäre, eben weil es eine komplexe rekonstruktive OP war. Also ging ich wieder nach Hause.
Aller guten Dinge sind drei
Am Mittwoch, den 17. Juni, rief ich wieder gegen 18:00 Uhr auf der Station an, und ich sollte mich am Donnerstag um 7:00 Uhr dort melden.
Am Donnerstag, den 18. Juni, war ich um 06:45 Uhr auf Station. Ich musste kurz warten, aber meine OP war laut Plan weiterhin für 09:20 Uhr angesetzt, und ich stand damit an zweiter Stelle.

Gegen 7:00 Uhr kam ich ins selbe Zimmer, jedoch in ein anderes Bett, und dann ging alles relativ schnell. 8:20 Uhr ging es zur Anästhesie. Das erste Anästhetikum sorgte für richtig Achterbahn im Körper, und vermutlich um 09:00 Uhr ging es dann in die OP, in Saal 6. Ab 13:00 Uhr wachte ich wieder auf und war um 13:30 Uhr wieder zurück auf Station.
Die OP war erfolgreich. Ich hatte eine Platte in der Schulter, Schweizer Fabrikat.

Am Nachmittag kam mich Vio besuchen. Durch die noch regionale Anästhesie war meine Schulter natürlich schön schmerzfrei. Vorsorglich nahm ich dennoch Schmerzmittel, denn zum Abend, als die Anästhesie nachließ, kamen die Schmerzen auch zurück. Ich fand keine gute Liegeposition, um einzuschlafen. Die Nacht war sehr unruhig. Um 2:00 Uhr bat ich noch mal um Schmerzmittel. Die Linderung war eher mäßig.
Am Freitag, den 19. Juni, gab es eine kurze Nachbesprechung während der Visite, sodass ich auch entlassen werden konnte. Nach dem Verbandswechsel offenbarten sich auch die 17 Klammern an meiner Schulter. Um 11:00 Uhr verließ ich dann das Krankenhaus, als Vio mich abholte.
Zuhause fand ich ein großes Paket vor. Darin waren einige Aufmerksamkeiten von meinem Arbeitgeber und den Kolleg:innen , die mir bei der Genesung helfen sollten.

P.S. Spracheingabe machte diesen Eintrag möglich.





























Ein Kommentar zu “Chronik eines komplizierten Bruchs”
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