Was übrig bleibt, wenn der Sommerurlaub ausfällt

Die fehlende Urlaubsreise und die wenige Abwechslung waren zwischenzeitlich ein echter Motivationskiller. Ich komme ja nicht gut klar mit Nichtstun, weil das Gedankenkarussell dann so richtig freidreht. Am Ende denke ich doch nur wieder an die Arbeit, daher gestalte ich meine Freizeit eigentlich immer aktiv, was mir hilft abzuschalten.

Das fiel jedoch nach dem Unfall[1], der OP und während der Erholungsphase aus, weil ich einfach nichts machen konnte. Die ersten Wochen blieb mir ja nichts anderes übrig, als rumzuliegen. Ein bisschen habe ich die Zeit mit Assassin’s Creed Black Flag Resynced[2] verdaddelt, das ist ja auch fast wie Urlaub. Aber es war dennoch auch immer frustrierend, nicht einfach rausgehen zu können.

Keine Reise

Für den Sommer hatte ich eine kleine Deutschlandtour geplant, ich wollte unter anderem zum Hermannsdenkmal, den Externsteinen und an der Saarschleife vorbeifahren. Das fiel leider durch den Fahrradunfall flach. Aber natürlich wollte ich an den anderen Wochenenden mit dem Rad raus ins Grüne oder die neue Runde um den BER fahren. All das geht noch nicht, genauso wie Laufen, da Sport einfach noch tabu ist. Die Teilnahme am Sarnersee-Lauf in der Schweiz fiel damit auch aus.

Zipser Burg
Zipser Burg

Alles Dinge, die ich aktuell noch nicht machen darf. Und irgendwie fehlt das schon, es fühlt sich ein bisschen wie verlorene Zeit an.

Tour de Chance

Viel Abwechslung gab es daher nicht nicht in den letzten Wochen, im Prinzip war ich ja nur daheim, alle paar Tage geht es zur Physiotherapie oder mal zum Arzt. Aber wenn man das eine nicht machen kann, denkt man eben über das andere nach. Immerhin blieb dieses Jahr mal Zeit, um sowohl die Tour de France als auch die Tour de France Femmes komplett zu verfolgen. Und um wenigstens ab und zu rauszukommen, hab ich mir das ein oder andere Berliner Museum[3] gemeinsam mit Freunden mal von innen angesehen oder bin mit Vio ausgedehnt durch die Natur spaziert.

Mit dem Rad um den Sarnersee
Mit dem Rad um den Sarnersee

Schmerzen im Dauerstress

Dass es nach der OP so lange noch Schmerzen gibt, hatte ich nicht erwartet. Dass die Muskeln trainiert werden müssen, verstehe ich.

Mein Körper ist, auch wenn ich die meiste Zeit auf der Couch liege, im Stresszustand: Puls erhöht, der Schulterbereich oft mit erhöhter Temperatur. Spontane Schmerzen, vielleicht aus einer unbewussten Mikrobewegung. Dadurch und durch den schlechten Schlaf bin ich ständig müde.

Die ersten vier Wochen lies sich der nur bis 60 Grad und ausschließlich passiv, also ohne eigene Muskelkraft, bewegen. Danach kam leichte aktive Physiotherapie[4] dazu, die Muskeln müssen sich ja langsam wieder an ihre Aufgaben gewöhnen. Zu Beginn der siebten Woche waren schon 90 Grad möglich, und ich durfte bis zu zwei Kilogramm heben, allerdings noch nicht in alle Richtungen. Die Außenrotation blieb kaum möglich, dabei schmerzte es weiterhin und schränkte mich ein.

Physiotherapie
Physiotherapie

Zu den Schmerzen kam dann regelmäßig Muskelkater hinzu, was das Schlafen auch nicht besser machte. Durch die größere passive Beweglichkeit nahmen die Schmerzen aber langsam ab. Das Liegen auf der rechten Seite wurde besser, und auch links lag es sich angenehmer, da das Gewicht des rechten Arms nicht mehr so stark in die Schulter zog.

Alltägliche Bewegungen wirkten normal und waren machbar, sofern keine große Kraft nötig war. Einzig die eingeschränkte Außenrotation machte vieles noch unmöglich. Mit der rechten Hand konnte ich gerade so mein Gesicht berühren, in die Haare ging es noch gar nicht. Das machte sich zum Beispiel beim Aufsetzen von Kopfhörern bemerkbar, weil ich mit dem rechten Arm nicht hoch genug komme und es dabei schmerzt.

Zu den Physioübungen habe ich nach und nach auch Fahrten mit dem Rad auf der Rolle und Schrittesammeln auf dem Laufband ergänzt, die Faulheitswampe muss ja auch irgendwann wieder weg.

Unpersönlich im Homeoffice

Nach einiger Zeit konnte ich endlich auch wieder mehr vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten. Es war schön, wieder etwas mehr Kontakt zu den Kolleg:innen zu haben, aber der persönliche Austausch mit den anderen fehlte dann doch nach so langer Zeit. Da ja auch Vio im gleichen Unternehmen arbeitet, bilden wir quasi eine Bürogemeinschaft daheim. Dadurch konnte ich zunächst einen ersten Besuch im Büro Mitte August für ein paar Stunden einrichten, da Vio eben auch mal wieder vor Ort sein musste und wir gemeinsam hinfuhren. Ein paar weitere Bürotage waren Ende August, Anfang September möglich, sofern sich das zusammen mit den Terminen zur Physiotherapie planen lies.

So kehrte etwas Normalität wieder ein.

Gedanken ans nächste Jahr

Auch wenn 2026 noch ein paar Monate vor sich hat, denke ich schon an das nächste Jahr und vor allem daran, was ich dann wieder alles darf und kann.

Dadurch dass meine Sommerreise ausfiel, aber sich bei meinen möglichen Mitfahrer:innen etwas geändert hat, ergeben sich möglicherweise neue Optionen. Welche Ziele stehen an, wo soll es hingehen, was hole ich nach. Genug Zeit zum Planen bleibt ja gerade.

Fußnoten

  1. [1] Chronik eines komplizierten Bruchs ↩
  2. [2] Assassin’s Creed Black Flag Resynced | Ubisoft ↩
  3. [3] Rollbretter zwischen Ost und West ↩
  4. [4] Drei Wochen nach der OP, kleine Fortschritte und kurze Nächte ↩

2 Kommentare zu “Was übrig bleibt, wenn der Sommerurlaub ausfällt”

  1. Ich habe damals deinen Beitrag »Chronik eines komplizierten Bruchs« gelesen. Danach war aber bei mir »Land unter« und ich habe jetzt gerade diesen Beitrag beim Durchforsten meiner offenen Tabs wiedergefunden.

    Ein regnerischer Tag, sitze daher daheim und »räume auch mal digital aus«.

    Wie geht es inzwischen der Schulter? Ich habe bei meinem linken Handgelenk noch immer »etwas weniger Umfang«, was ich an den Uhrenarmbändern noch immer merke. Manche Sachen brauchen einfach recht lang bzw. es ist erstaunlich wie lange es dauert, bis man wieder Gewebe aufgebaut hat.

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  2. @X_FISH: der Bruch ist schon vor einer Weile als gut verheilt gesehen worden. Die Bewegungsfreiheit des Armes ist noch eingeschränkt, im alltäglichen Gebrauch geht es schon ganz ordentlich. Die Physiotherapie geht voran und es wird in kleinen Schritten mehr Gewicht, was ich halten und teilweise heben kann.
    Die Muskeln, vor allem am Schulterblatt, müssen wieder lernen, wie man das ganze Konstrukt richtig bewegt.

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