Eine Woche mit der Bahn durch die Schweiz. Mit Vio im Golden Pass Express von Bern über Montreux nach Interlaken. Mit Besuch in Lauterbrunnen, Grindelwald und bei Wilhelm Tell. (7 Teile)
- Mit dem Schiff zu Wilhelm Tell
Nach dem Totalausfall des Sommerurlaubs freute ich mich natürlich sehr auf die Reise in die Schweiz. Da ich zusammen mit Vio eine kleine Rundreise machen wollte, war dies hauptsächlich eine Bahnreise.
Anreise mit Hindernissen
Los ging es Morgens am Freitag, den 4. September, im grauem Berlin. Am Berliner Hauptbahnhof angekommen, gab es schon mehrere Durchsagen, dass es aufgrund eines Medizinischen Notfalls zu Verspätungen auf der Nord-Süd-Strecke kommt. Für uns bedeutete das zunächst mehrfache Gleiseränderung, glücklicherweise auf dem gleichen Bahnsteig, und angeblich eine umgekehrte Wagenreihung, die sich aber dann doch nicht als umgekehrt herausstellte. Unser Zug nach Basel fuhr dann schon mit einer Verspätung von knapp 30 Minuten los.

Die Verspätung konnte der Zug auf der Strecke auch gar nicht mehr einholen, da sich dieser Vorfall scheinbar auf das ganze Netz verbreitet hat. Am Ende kamen wir mit rund einer Stunde Verspätung in Basel an und hier schien die Sonne. Das war glücklicherweise jetzt nicht so ein großes Problem, da es ab hier mit der Schweizer Bahn weiterging. Mit dem Interregio ging es weiter nach Luzern, wo wir noch schnell in die Migros gingen, um ein paar Lebensmittel fürs Abendbrot einzukaufen, und dann ging es auch schon weiter mit der S-Bahn nach Sachseln.
Eigentlich wollten wir natürlich weiter ins Flüeli mit dem Bus fahren, aber Edith holte uns mit dem Auto ab. Den Abend des langen Anreisetags genossen wir mit einem Blick auf den Sarnersee.
Kombinierte Bahn-Schiffsreise
Der Samstag begrüßte uns mit leicht bedecktem Himmel.


Mit der Bahn ging es am Vormittag nach Luzern und hier konnten wir bequem am Bahnhofquai umsteigen auf das Dampfschiff Stadt Luzern.
Das Schiff ist ein denkmalgeschützter Schaufelraddampfer, Baujahr 1928, und ist das Flaggschiff der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees. Es handelt sich dabei um das letzte Dampfschiff, das je für eine Schweizer See gebaut wurde. Im Gegensatz wurde es nicht bei den üblichen Schweizer Werften gebaut sondern in Roslau an der Elbe. Die erste Maschine hielt nur zwei Tage nach der Jungfernfahrt. Nach ungefähr einem Jahr Stillstand wegen des Maschinenschadens gab es eine Ersatzmaschine. Die zweite Jungfernfahrt war im Jahr 1929 und seitdem läuft die Maschine in diesem Schiff. Optisch erinnert es an einen OC-Anleiner der 20er Jahre mit Salons im Art-déco-Stil.
Das Schiff hat eine Passagierkapazität von 1’200 Personen und die Maschinenstärke beträgt 1’600 PS, welche im Betrieb jedoch nur auf 1’300 PS gedrosselt ist. Seit 2021 steht das Schiff unter Denkmalschutz.

Auf diesem Schiff sind auch schon Eva Peron und Königin Elisabeth II. oder General Henri Guisan mitgefahren.
Wir sind mit diesem Schiff von Luzern die ganze Strecke über den Vierwaldstätter See mit seinen Nebenarmen bis nach Flüelen gefahren. Vorbei an den Anlegestellen, Weggis Vitznau, als auch der Tellsplatte mit der Tellskapelle. Das ist durchaus eine wunderschöne Fahrt, die rund 3 Stunden dauert, und man sieht hier wirklich eine tolle Landschaft an einem Vorbeiziehen. Auch wenn es die meiste Zeit bedeckt war, bei Temperaturen um 25°, war das durchaus angenehm.
In Flüelen warteten wir auf den Anschlusszug. Währenddessen konnte ich hier noch einen kleinen Geocache[1] suchen und natürlich auch finden.
Mit der Bahn ging es dann von Flüelen nach Altdorf. Wir liefen hier vom Bahnhof in das Ortszentrum und damit entlang des Tellsweges[2].
Der Altdorfer Tellsweg führt mit zwölf Stationen auf einer Länge von ungefähr 1,5 km in den Dorfkern. Er erzählt die Geschichte, wie Wilhelm Tell den Landvogt Gessler in der Hohlen Gasse erschossen hat, und bettet die Themen rund um Uri ein. Die Eröffnung des Tellswegs fand 2024 zum 125-jährigen Jubiläum der TEL-Spielgesellschaft Altdorf statt.
Selbstverständlich durfte ein Besuch beim Wilhelm-Tell-Denkmal in Altdorf nicht fehlen. Die Bronze-Statue wurde hier im August 1895 am Fuße eines alten Turms eingeweiht. Auf dem Sockel ist die Zahl 1307, das Jahr des Rütlischwurs, eingraviert.
Tell überall
Mit dem Bus fuhren wir weiter in das kleine Dorf Bürglen. Hier besuchten wir das Tell-Museum[3].
Das Museum ist im Bürgler Wattigwiler-Turm und seit 1966 in Betrieb. Ursprünglich sollte nur die Restaurierung der Tellskapelle in den Jahren 1949 und 1950 dokumentiert werden und 1956 entstand daraus die Tells-Museumsgesellschaft URI. Seitdem werden hier Dokumente, Objekte und Darstellungen rund um Wilhelm Tell und der Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft gesammelt.
Ebenso wird eine Sammlung des Basler Malers Ernst Stückelberg gezeigt, der sein Atelier hier in Bürglen hatte und auch die vier Wandbilder in der Tellskapelle am Urnersee schuf.
Im obersten Stock des kleinen Turmes gibt es eine kleine Multimedia-Filminstallation zum Wandel des Tell-Mythos über die Jahrhunderte. Wir sahen dort einen Film mit unerwarteter Wenung.
Zu Beginn war es dunkel und man hörte jemanden durch den Raum laufen. Dann hörte man das Klicken einer Schreibtischlampe und man sah einen älteren Herrn an einem Schreibtisch sitzen. Zunächst erzählte er die Wilhelm-Tell-Geschichte relativ sachlich, machte dann noch mal das Licht aus und sagte: „Nein wir müssen hier anders anfangen.“
Bei der zweiten Erzählung nutzte er deutlich blumigere Bilder, um die Tell-Geschichte zu erzählen. Als es um die Ermordung des Landvogtes Gessler durch Wilhelm Tell ging, hörte man einen kleinen Jungen fragen: „Darf man einfach jemanden töten, wenn er Unrecht getan hat?“
Daraus ergab sich eine interessante moralisch-ethische Diskussion, die zusätzlich durch eine Frau, mit viel Hintergrundwissen um Tell, eingeordnet wurde. Die grundsätzliche Frage bleibt jedoch unbeantwortet, da sie eben nicht einfach so mit Ja oder Nein beantwortbar ist. Es wurden auch aktuelle politische Beispiele herangezogen, um das moralische Dilemma zu verdeutlichen.
Der Mythos Wilhelm Tell ist für die Schweizer nicht nur einfach eine Sagengestalt sondern seit über 500 Jahren ein Symbol für Freiheit. Hier zählt nicht die historische Wahrheit, sondern dass der Mythos lebendig gehalten wird. Rüdli gilt als Ort des Bündnisses der Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden und somit als Wege der Schweiz. Zahlreiche Orte rund um den Tierwaldstedter See, wie die Hohle Gasse, die Tellsplatte, das Rütli und das Telldenkmal, halten die Geschichte im öffentlichen Raum präsent.
Selbstverständlich gibt es auch hier in Böglen ein kleines Telldenkmal mal an einem Brunnen direkt neben dem Museum und nur wenige Schritte weiter gibt es auch eine andere kleine Tellskapelle.
Am späten Nachmittag kam die Sonne auch vollständig raus und wir fuhren mit Bus und Bahn zunächst zurück nach Luzern, um hier wieder mal ein paar Lebensmittel für das Abendbrot einzukaufen, bevor es zurück nach Sachseln und ins Flüeli ging.

































































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