Eine Einladung nach Indien als Auftakt einer etwas anderen Reise

Teil 1 von 9 des Reiseberichts 2025.6 Indien

Anfang des Jahres lud mein Kollege Somesh alle Kolleg:innen zu seiner Hochzeit im Dezember in Indien ein. So hatten wir alle genug Zeit, zu überlegen ob und wann wir reisen.

Ich fand den Gedanken natürlich grundsätzlich sehr spannend, aber hatte eben auch direkt moralische Bedenken bezüglich der Flugreise, da ich weitestgehend versuche meinen Fußabdruck gering zu halten. Über Wochen hinweg beschäftigte ich mich mit diesen Gedanken und wägte ab, kam aber zum Entschluss, dass ich teilnehmen werde und die Flüge dann zertifiziert kompensiere.

Da ich immer recht zeitig meinen Jahresurlaub verplane, hatte ich zwar noch ein paar Tage übrig, aber nicht ganz genug, um lange zu bleiben. Der Termin der Hochzeit stand durch die Einladung fest und ich schob die wenigen Tagen um diesen Termin herum hin und her, so dass ich nicht nur zur Hochzeit dort bin, sondern auch noch unabhängig etwas unternehmen könne.

So buchte ich die Flüge für mich, damals hatten Vio und ich ja noch eine Katze und daher stand zu dem Zeitpunkt der Buchung fest, dass ich leider alleine reisen werde.

Die Hochzeit sollte in Belagavi stattfinden. Dorthin gibt es keine Flüge von Europa, aber nach Bengaluru konnte ich über München per Lufthansa fliegen. Den nationalen Flug von Bengaluru nach Belagavi buchte ich via IndiGo. Damit stand der Plan fest. Ein paar Tage vor der Hochzeit wäre ich da und am Tag nach der Hochzeit ginge es zurück nach Bengaluru, um dort noch ein paar Tage allein zu verbringen.

Da ich aber leider nicht mehr genug Urlaubstage übrig hatte und es 2 Tage gab, an denen ich aus meiner Sicht eh nichts freizeitliches machen könne, wegen der nationalen Flüge, wollte ich diese Tage zum Arbeiten nutzen.

Vorbereitungen

Im November schickte mir Somesh den Zeitplan der Festlichkeiten rund um die Hochzeit. Indische Hochzeiten sind über mehrere Tage, gar Wochen verteilt und wie sich rausstellte, käme ich mit IndiGo leider erst spät an, so dass ich beim Sangeet nicht von Anfang an dabei sein könne.

Beim Sangeet, eine Zeremonie die meist einige Tage vor der Hochzeit stattfindet, treffen sich Freunde, Verwandte und Bekannte um mit und für da Brautpaar vorher einstudierte Tänze vorzuführen.

Somesh und seine Verlobte Komal luden daher im Vorfeld zu einer Videokonferenz, bei der wir Eingeladenen und Zugesagten Gäste eine Choreo einstudierten.

Das war zwar nicht ganz einfach, aber spaßig. Hätte ich das jedoch früher gewusst, hätte ich meine Anreise anders geplant. Die beiden meinten jedoch, das wäre kein Problem, der Auftritt wird dann einfach weiter nach hinten gelegt, so dass ich nach meiner Landung teilnehmen könne.

Ich war gespannt.

Die Anreise

Mein Flug sollte am 11.12. um 9 Uhr nach zunächst nach München gehen, dank Online-CheckIn konnte ich meinen Koffer aber bereits am Vorabend abgeben. So hatte ich auch die Gelegenheit, mich mit dem Flughafen BER etwas vertraut zu machen.

Flughafen BER
Flughafen BER
Morgens am Flughafen
Morgens am Flughafen

Durch die Sicherheitskontrolle ging es zügig am Morgen, es war auch gar nicht so viel los am Flughafen. Auch der Flug startete und landete pünktlich im nebligen München, aber dann kam auch schon die erste Meldung, der Flug nach Bengaluru hatte bereits 1:45 h Verspätung, da er zu spät aus Toronto kam. Damit wurden aus knapp 2 Stunden Wartezeit schon fast 4 Stunden.

Der Wechsel von Terminal 2 mit dem People Mover zu dem Satellitenterminal in München war gut ausgeschildert, die Passkontrolle konnte ich schnell und leicht digital erledigen.

Ich schaute zuerst wo mein Abfluggate war, welches ich leicht fand und suchte mir dann einen Platz zum Arbeiten, denn die Zeit wollte ich zumindest irgendwie sinnvoll nutzen. So verging die Zeit schneller als gedacht. Vor dem Boarding gab es noch eine zusätzliche Visa-Kontrolle, die das nötige eVISA prüfte. Dann ging es auch schon ins Flugzeug. Kissen und Decke warteten schon am Platz und auch für Unterhaltung war gesorgt.

Beim Abendessen gab es jedoch eine Verwechslung. Mein vorbestelltes Essen wurde an einen falschen Platz geliefert. Man entschuldigte sich und kümmert sich schnell um Ersatz. So bekam ich etwas individuell Zusammengestelltes aus der Businessclass und da . Beim Snack vor der Landung hat es dann aber geklappt.

Apropos Landung, durch die fast 2 Stunden Verspätung beim Start, kam ich natürlich auch erst kurz nach 3 Uhr morgens in Bengaluru an. Die Pass und Visa-Kontrolle nahm nochmal etwas Zeit in Anspruch und so war ich erst halb 4 aus dem Flughafen raus.

Geldprobleme

Am Taxistand wollte ich bequem ein Uber nehmen, aber die hinterlegte Zahlungsart PayPal wurde vor Ort nicht akzeptiert. Auch als ich meine Kreditkarte eingeben wollte, klappte dies nicht. So lief ich nochmal zurück zum Empfansgebäude an einen Geldautomation und holte Bargeld. Aus Unsicherheit ob ich weitere Probleme mit Kartenzahlung haben werde, zog ich 10000 Rupien (rund 95 €). Die Fahrt mit dem Taxi dauerte nur knapp 10 Minuten und kostet etwas über 500 Rupien.

Mittlerweile war es kurz nach 4 Uhr morgens, ich war total müde und froh, dass ich schnell im Hotel SkyLights[1] einchecken und das Zimmer beziehen konnte.

Übermüdet

Die Nacht war kurz, obwohl ich müde war, konnte ich nicht lange schlafen und war schon wieder gegen 8 Uhr am 12.12. wach, da draußen Pfaue riefen.

Blick aus dem Zimmer am Morgen
Blick aus dem Zimmer am Morgen

Zum Frühstück genügte mir Kaffee, denn Hunger hatte ich einfach keinen. Ich packte meinen Laptop aus und begann zu arbeiten, da für den heutigen Tag war nur Arbeit und der abendliche Flug nach Belagavi geplant.

Da in Indien bargeldloses Zahlen per UPI[2] verbreitet ist, hatte ich im Vorfeld die MONY App[3] eingerichtet. Hier muss Pass und eVISA hinterlegt werden und es erfolgt eigentlich nach Ankunft eine persönliche Vor-Ort-Prüfung, bevor die Zahlmöglichkeit aktiviert wird.

Ich schrieb dem Support, wann und wo ich bin und wie wir das machen, aber nach 2 Minuten bekam ich eine Mail, dass mein Konto nun aktiviert sei. Offensichtlich geht das auch ohne persönlichen Abgleich.

Um 12 Uhr checkte ich aus dem Hotel aus. Bevor ich mir ein Taxi buchte, versuchte ich es nochmals mit der Kreditkarte in der Uber-App und siehe da, es ging direkt. Damit war ich auf das viele Bargeld, zumindest für die Taxis, nicht angewiesen.

Auf dem Weg zum Flughafen
Auf dem Weg zum Flughafen

In nur wenigen Minuten war ich am Terminal 1 des Flughafens von Bengaluru. Da mein Flug aber erst gegen 18 Uhr ging, durfte ich noch nicht ins Terminal, da dies erst 2-3 Stunden vorher möglich ist.

Vor dem Gebäude gibt es aber jede Menge Sitzmöglichkeiten, CheckIn-Automaten und Imbisse. Ich hatte zwar bereits per App eingecheckt, aber die Automaten probierte ich dennoch aus. Das ist auch empfehlenswert, da man dort den Boarding-Pass gedruckt bekommt und man damit dann ins Terminal darf, wenn die Zeit dran ist.

In der Ooru Canteen am Flughafen, genehmigte ich mir Lemon Rice als kleinen Mittagssnack, bevor ich mich in den Wartebereich vor dem Terminal hinsetzte.

Kurz nach 15 Uhr konnte ich ins Terminal. An einem weiteren Automaten zog ich mir das Gepäcklabel und konnte mich dann in die Schlange einreihen, um das Gepäck einzuchecken. Danach ging es durch die Sicherheitskontrolle und hier musste ich meinen kompletten Fotorucksack auspacken und nicht nur den Laptop. Das nahm schon etwas Zeit in Anspruch, bevor ich weiter zu den Gates konnte.

Um das WIFI zu nutzen, braucht man einen Code, den man per SMS erhalten könnte, wenn man eine indische Rufnummer hat. Da ich nur eine reine Daten-eSim hatte, funktionierte es mit einer deutschen Nummer nicht, auch wenn man diese angeben kann. Als Alternative gibt es sogenannte WIFI-Kiosks. Da am Flughafen viele Menschen als Helfer unterwegs sind, fragte ich nach Hilfe. An diesem Kiosk startet man einen Videoanruf und muss dann Passnummer und Name durchgeben, dann erst bekommt man einen Code. Hier ist nichts anonym.

Die Sangeet Zeremonie

Nach einem Espresso, um irgendwie wach zu bleiben, begann auch schon das Boarding für meinen Flug nach Belagavi. Mit dem Bus ging es über das Rollfeld zu einer Turboprop-Maschine und kurz nach 18 Uhr starteten wir auch schon.

Knapp 1,5 Stunden später stand ich vor dem Terminal des Flughafens in Belagavi und wartete auf meine Abholung. Knapp 1 Stunde stand ich da, bis Prem, ein Cousin von Somesh, es durch den Verkehr geschafft hatte.

Von meinen eingeladenen Kolleg:innen sagte am Ende nur Jhorman zu. Er ließ seine Mutter aus Kolumbien nach Deutschland einfliegen und war bereits etwas früher in Indien mit ihr. So waren wir zu dritt auf der Bräutigamsseite. Bei Komal, der Braut waren es ebenfalls 3 Leute. Alle leben und arbeiten in Deutschland, aber kommen aus Brasilien, Honduras oder Ecuador. Auch sie waren früher da, so dass sie die Möglichkeit hatten, gemeinsam vor der Zermonie die Choreo zu üben.

Es dauerte eine Weile, bis wir am Ort der Feierlichkeiten ankamen. Ich war müde und hatte Kopfschmerzen. Die Party war natürlich schon voll im Gange. Ich zog mich um und mischte mich unters Volk. Das war natürlich nicht so einfach, denn wir fielen natürlich auf. Viele wussten natürlich, dass Gäste aus Deutschland kommen, das sprach sich offensichtlich auch schnell herum und so war das Interesse an uns groß.

Alle waren sehr freundlich, hilfsbereit uns ließen es uns an nichts fehlen.

Auf der Bühne folgte eine Performance nach der anderen und natürlich durften auch mehrere Auftritte des Brautpaares nicht fehlen. Verwandteund Freunde hatten viele tolle Tänze einstudiert und mit viel Spaß aufgeführt.

Jhorman, Esther, Alejandro, Stefany, Komal, Diego, Icke und Somesh
Jhorman, Esther, Alejandro, Stefany, Komal, Diego, Icke und Somesh

Leider fühlte ich mich körperlich nicht in der Lage an der geplanten Gruppenaufführung teilzunehmen, die Müdigkeit und die Kopfschmerzen waren nicht sonderlich hilfreich. Dies stieß natürlich auf Verständnis und ich bedauere es etwas.

Ich genoss jedoch den Trubel und auch das leckere Essen. Zum Abschluss legte Jhorman auch noch etwas Latin Core auf.

Kurz nach Mitternacht war es dann auch schon vorbei und man fuhr uns zu unserem Hotel Emporia Tower[4].

Totmüde fiel ich dann einfach ins Bett nach diesen doch anstrengenden Tagen für mich.

  1. [1] Hotel SkyLights Bengaluru
  2. [2] Unified Payments Interface
  3. [3] Mony UPI App
  4. [4] Emporia Tower, Belagavi

2 Kommentare zu “Eine Einladung nach Indien als Auftakt einer etwas anderen Reise

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