Mit der Enfield zu Tempeln, Wasserfällen und Hochzeitsfesten

Teil 3 von 10 des Reiseberichts 2025.6 Indien

Nachdem ich am Sonntag, den 14.12., meinen Morgenkaffee auf dem Zimmer genossen habe, fuhr ich mit dem Motorrad nach Westen über die Radskop Road raus aus Belagavi. Nach rund 4 Kilometer bog ich rechts auf die SH141 und dann nach links auf die SH20 Vengurla Belagaum Road.

Es geht raus aus Belagavi
Es geht raus aus Belagavi

Ich passierte die Grenze zum Bundesstaat Maharashtra und bog nach rechts auf eine kleine Straße Richtung Devarwadi ab. Hier ging es direkt etwas steiler bergauf und kurz hinter einer Haarnadelkurve machte ich meinen ersten Halt.

Renovierungsarbeiten

Hier auf der Klippe befindet sich der kleine Vaijnath Temple, welcher Lord Shiva gewidmet ist. Der Tempel ist im Hemadpanti-Stil gebaut, eine Stil-Richtung des 13. Jahrhunderts.

Zum Zeitpunkt meines Besuches war es aber eher eine Baustelle und ich gehe davon aus, dass der Ort renociert wird, denn er befand sich leider in einem nicht so guten Zustand. Auf Grund der Bauarbeiten, konnte ich das Innere leider nicht besuchen.

Nach einem kleinen Rundgang setzte ich mich wieder aufs Motorrad und ich fuhr noch etwas weiter den Berg hinauf, kam durch Mahipalgad und folgten den Serpentienen ein Stück hinunter, bis zum Sundi Wasserfall.

Irgendwo in Maharashtra
Irgendwo in Maharashtra

Wenn man nicht genau schaut, verpasst man es fast, denn Schilder gibt es hier wenige, auch wenn es eigentlich ein touristischer Ort ist. Ich parkte das Motorrad auf einer kleinen Parkfläche an der Straße und folgte eher einem Trampelpfad Richtung Wasserfall.

Ich lief vorbei an verwaisten kleinen Souvenir- und Imbissbuden, sowie einer geschlossen Toilette. Am Ende ging ich eine steile und nicht genormte Treppe hinunter.

Der Grund, dass hier nicht so viel los war, ist auch offensichtlich. Es war Trockenzeit und so tröpfelte es eben nur, stand eines breiten großen Wasserfalls. Dennoch war ich hier nicht ganz allein. Etwas näher am Wasserfall saßen ein paar Frauen beim Essen.

Durch das Zuckerrohr

Nach einem kurzen Aufenthalt stieg ich die Treppe wieder hinauf und setzte meine Fahrt Richtung fort. Es ging weiter durch den Ort Sundi, dann Richtung Kadalge, durch Nagardale und bei Kagani bog ich nach links ab. Ich folgte der Straße bis in den Ort Kalkundri. Ab hier ging es weiter über Feldwege. Genauer durch die Zuckerrohrplantagen.

Durch die Zuckerrohrplantagen
Durch die Zuckerrohrplantagen

Teilweise war der Weg kaum 3 Meter breit und rechts und links stand das Zuckerrohr. Ein mir entgegenkommender Traktor passte mit seinem vollbeladenen Hänger eigentlich gar nicht dazwischen. Zum Glück fand ich eine kleine Stelle an der Seite, um den Traktor passieren zu lassen.

Aber das Zuckerrohr wird hier nicht nur mit Traktoren transportiert. Bereits auf den Landstraßen kamen mir Roller und Mopeds entgegen, die 2 m lange Zuckerrohrballen quer auf dem Rücksitz transportierten.

Der unbefestigte Feldweg, der als normale Straße in der Karte eingezeichnet ist, war hier und da auch etwas herausfordernd. Große Löcher und jede Menge loser Sand. Am Ende des Weges parkte ich die Royal Enfield und ich lief über einen kleinen Feldweg und eine Brücke hinüber zu den Kitwad Wasserfällen.

Bei Kitwad
Bei Kitwad

Diese Wasserfälle, welche ebenfalls nur vor sich hin tröpfelten, sind Ergebnis des davor befindlichen Staudamms. In der Regenzeit ist hier offensichtlich viel mehr los, aber auch Im Dezember waren einige Familien hier beim Picknick oder Spaziergang.

Als ich zurück zum Motorrad ging, lag ein Hund vor meinem Motorrad und wollte mich zunächst ran lassen. Der Besitzer kam aber jedoch des Weges und pfiff ihn zu sich.

Es war bereits kurz nach 12 Uhr. Der schlechte Zustand der Straßen, mit den vielen Schlaglöchern und Bodenwellen, sorgte dafür, dass es oft nur langsam voran ging und so fuhr ich langsam zurück zum Hotel.

Kurz nach 14 Uhr kam ich wieder in Belagavi an. Ich machte mich kurz frisch und ließ mich dann mit einer Rikscha zum Belgaum Fort fahren. Das Fort wurde 1204 von aya Raya errichtet und ist damit eines der ältesten Forts in Karnataka. Es ist mit einer robusten Befestigungsanlage konstruiert um Invasionen standhalten zu können. Die ovale Form ist einem Graben umgeben.

Das Fort beherbegt neben dem Militär auch mehrere Tempel und Moscheen. Ich lief nur ein Stück auf der Westseite entlang der Rampart Road, leider sind die Tempel hier in der Nachmittagszeit geschlossen, so dass ich sie nur vom Zaun aus betrachten konnte. Ich verließ das Fort über die Fort Road und erkundte die weitere Gegend zu Fuß. Ich lief die Straße Fulbag Galli entlang, überquerte die Eisenbahnstrecke und folgte der Mahadwar Road Richtung Westen.

Als ich an einer Gruppe Jugendlicher mit vorbeikomme, die an ihren Mopeds standen, starrten sie mich an. Ich grüßte freundlich und das schien einen der Jungs zu ermutigen, mich nach einem Foto zu fragen. Ich sagte nicht nein, er war glücklich und seine Freunde konnten nicht glaube, dass er danach fragte. Kaum lief ich weiter, sprach mich ein Mann an, wollte wissen woher ich komme und was ich mache. Wir unterhielten uns kurz und er wünschte mir noch einen schönen Tag.

Am Ende der Mahadwar Road stand ich vor dem Shri Kapileshwara Swamy Tempel. Hier gibt es auch eine Überführung einer Straße beziehungsweise eine Brücke, welche über die Gleise führt. Unter der Brucke vor dem Tempel sitzen ein paar kleine Händler und die Brückenpfeiler sind kunstvoll gestaltet.

Hunde
Hunde

Da ich den Tempel besuchen wollte, zog ich meine Schuhe aus und legte sie in die dafür vorgesehen Regale vor dem Tempel. Auch dieser Tempel ist Shiva gewidmet, aber beherbergt auch kleinere Tempel für Ganesh, Vishnu, Dattatreya, Veerbhadra, Kalbhairav ​​und Saibaba. Der Tempel ist einer der ältesten Tempel in Belagavi und hat eine tiefe Bedeutung für die Anhänger Shivas.

Der Tempel ist vor allem sehr beliebt im Monat Shravan, dem 5 Monat des hinduistischen Mondkalendar und während des Festes von Mahashivaratri, der großen Nacht von Shiva.

Während ich draußen wieder meine Schuhe anzog, kam der Mann, den ich zuvor traf mit einem Baby auf dem nochmal auf mich zu, um zu plaudern und dem Baby den Fremden aus Deutschland zu zeigen. Eine etwas ungewohnte Situation für mich, aber grundsätzlich sind die Menschen hier sehr offen, freundlich und interressiert, aber nie aufdringlich.

Danach machte ich mich weiter auf den Weg. Ich lief auf der Dr SPM Road nach Spüden, kaufte unterwegs ein Erfrischungsgetränk und bog dann auf die Mahatma Phule Road nach Westen ab, bis zum Goaves Circle. Ich lief weiter nach Norden, entlang eines teilüberdachten Food Courts mit jeder Menge kleiner Imbissstände, vorbei an der Feuerwehr und über die Bahngleise hinweg.

Kreuzung
Kreuzung

Am anderen Ende der Brücke lief ich zum Military Shri Mahadev Tempel. Dieser war, vor allem im Park drumherum, sehr gut besucht. Vielleicht lag es auch daran, dass es bereits später Nachmittag war. Dieser Tempel wird von der indischen Armee verwaltet und wurde 1955 eingeweiht.

Ich drehte nur eine kleine Runde im Park, denn es war schon spät und der Temple selbst sehr voll. Mit einer Rikscha ging es dann zurück zum Hotel, wo bereits auch die anderen schon waren. Wir zogen uns entsprechend des an diesem Abend stattfindenden Fests um und wurden kurze Zeit später auch schon abgeholt.

Laut und bunt

Auch an diesem Abend gab es 2 Feierlichkeiten. Es begann mit der Engagement-Zeremonie, bei der es mehrere Rituale für das Brautpaar gab.

Auch wir 6 Gäste durften uns entscheiden, ob wir Team Braut oder Team Bräutigam sind und dann entsprechend Braut oder Bräutigam mit Tanz und Jubel begleiten, wenn sie nach vorn gehen. Diese Entscheidung bleibt den ganzen Abend bestehen. Ein großes Fest für Familie und Freunde und wir mitten drin.

Die Kleidung, die wir als Herren trugen, nennt sich Lungi, das ist ein Wickelrock und dazu ein Hemd.

Gruppennbild
Gruppennbild

Das Brautpaar verpflichtete sich formell zur Ehe und tauschte Gelübde aus, dabei durften auch so wichtige Dinge wie das Budget für Kosmetik natürlich nicht fehlen. Somesh, der Bräutigam, stammt aus einem Kriegerclan in dem es Tradition ist, dass er während dieser Zeremonie auch einen Dolch erhält. Dieser dient als Symbol zum Schutz der Familie und er musste ihn den ganzen Abend tragen, auch in der Nacht bis zur eigentlichen Hochzeit. Dazu wird auf die Spitze eine Zitrone gesteckt und dann das ganze an der Hand mit einem Tuch verbunden.

Das Brautpaar auf der Bühne
Das Brautpaar auf der Bühne

Nun ging es über zur zweiten Veranstaltung, die Haldi-Zermonie. Dazu zogen wir uns und wir Herren trugen eine gelbe Kurta.

Bei dieser Zeremonie bekam das Brautpaar von Familie, Freunden und Gästen die gelbe Paste aus Kurkuma ins Gesicht gerieben. Dies soll aber nicht nur für schöne Haut sorrgen, sondern auch böse Geister abhalten und dem Paar Glück wünschen. Natürlich blieb es nicht dabei, dass nur das Brautpaar beschmiert wird. Es ist ein großer Spaß, dass sich die Gäste auch gegenseitig gelb machen.

Auf den Bilder sieht man auch an der rechten Hand den oben angesprochenen Dolch.

Aber das war natürlich nicht alles, es gab auch ein großes Tauziehen zwischen Team Braut und Team Bräutigam. So versammelten wir uns am Seil, auf jeder Seite gut 30-40 Menschen und kaum wurde der Start verkündet, zog uns das Team Braut schon herüber.

Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen, also forderte der Bräutigam eine Wiederholung, aber auch dabei verlor das Team Bräutigam, damit war klar, wer das Sagen haben wird.

Die ganzen Feierlichkeiten gingen wieder bis kurz nach Mitternacht, bevor es wieder zurück ins Hotel ging und ein weiterer langer Tag mit vielen neuen Eindrücken zu Ende ging.

Karte der Tour:

Download file: Wasserfall-Runde.gpx

2 Kommentare zu “Mit der Enfield zu Tempeln, Wasserfällen und Hochzeitsfesten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Datenschutzerkärung

Blogverzeichnis Bloggerei.de - Mastodon